Hans Förstl




DEMENZ - literarisch


Kognitive Störungen – vor allem die Alters-assoziierten – stellen seit langer Zeit einen gängigen literarischen Topos dar, der sich unter dem Einfluss philosophischer und medizinischer Theorien entwickelt und diesen Anschauungen zu grosser Breitenwirkung verhilft.


ANTIKE

Im klassischen Altertum galt „tantum scimus, quantum memoria tenemus“. Das Gedächtnis war der Schatz der Redner und neben der ars memoriae entwickelte sich auch eine Kunst des Vergessens, die Lethotechnik (Weinrich, 1997). Als natürlicher Feind des Gedächtnisses galt der Wein (vinum memoriae mors). Mnemosyne war die Göttin des Gedächtnisses und die Mutter der Musen. Nach Hesiod (ca. 700 v.Chr.) stand ihr Lethe gegenüber, Tochter der Nacht und der Zwietracht. Der Fluss der Lethe erlaubte den Verstorbenen in der Unterwelt aber auch das Vergessen irdischer Sorgen.

Homer (ca. 800 v. Chr.) lieferte mit der Irrfahrt des Odysseus eine eindrucksvolle frühe Illustration der engen Beziehung von räumlicher Orientierung und deklarativem Gedächtnis. Drei mal gerieten Odysseus und seine Gefährten in Gefahr den Weg nach Ithaka ganz zu vergessen.
•    Zunächst fielen seine Kundschafter bei den Lotophagen (wahrscheinlich auf Djerba) in den seligen Rausch des Vergessens, nachdem sie vom Lotos gekostet hatten.
•    Danach verwandelte Kirke seine Männer in Schweine, nachdem sie ihnen Käse und Gerstenmehl und gelben Honig mit pramneischem Weine anrührte, „doch mischte sie in die Speise böse Kräuter, dass sie des väterlichen Landes ganz vergässen“. Hermes empfahl Odysseus einen Cholinesterase-Hemmer, reichte ihm ein Kraut, nachdem er es aus der Erde gezogen hatte, und zeigte ihm seinen Wuchs: schwarz war es an der Wurzel, aber der Milch vergleichbar war die Blüte, und Moly nennen es die Götter. Damit vermochte Kirkes Gift keine schädliche Wirkung zu mehr entfalten.
•    Und schliesslich schlug die Nymphe Kalypso Odysseus mit ihrer Liebe in Bann; als die Wirkung nach sieben Jahren wie üblich nachliess, wollte sie ihn mit Göttertrank und Götterspeise – Nektar und Ambrosio – weiter betören, was Zeus jedoch verhinderte.

Platon (427 – 347 v. Chr.) liess einen Athener in den Gesetzen (646a) formulieren, nicht bloss der Greis, sondern auch der Trunkene werde wieder zum Kinde. Hier wird also die Korrelation von Alter und kognitiven Defiziten mit grosser Selbstverständlichkeit für einen Vergleich vorausgesetzt. Zwischen der Position Platons und des Komödiendichters Aristophanes (ca. 445 – 385 v. Chr.; die Wolken: die Alten sind in einer zweiten Kindheit) einerseits und andererseits der Position des Tragöden Aeschylos (ca. 389 – 342 v. Chr.; Agamemnon: es ist immer noch Zeit für die Alten zu lernen) schwankt die Einstellung zum Alter bis heute. In der griechischen Mythologie war Geras, die Personifikation des Alters,  ein Dämon des Defekts (Abb. 1).
 
Cicero (106 –  43 v.Chr.) schrieb in Cato maior, de senectute: Unbesonnenheit sei der Fehler der blühenden Jugend, Klugheit dagegen der Vorzug des fortschreitenden Alters.

Aber das Gedächtnis lässt nach. Das dürfte stimmen, wenn man es nicht übt, oder auch, wenn man von Natur aus ein Schwachkopf ist.

Terenz (195 – 159 v.Chr.) prägte in der Komödie Phormio (161 v. Chr.) den Satz  „senectus ipsa morbus est“ (das Alter selbst ist die Krankheit). Seneca ergänzte, es sei eine unheilbare Krankheit. Auch Juvenal (ca. 60 bis 127 n.Chr.) beschrieb in seiner X. Satire ein kognitives und soziales Defizitmodell des Alters (Karenberg & Förstl, 2003)

Noch Alfred Polgar (1873 – 1955) notierte im Jahr vor seinem Tode jenes Gespräch über das Alter, geführt von griechischen Philosophen:

... Wenn ich närrisches Zeug geredet habe, geschah es nicht mit Absicht. Wirr im Kopf nämlich wird der alte Mensch, ohne dass er dies wahrnimmt. Mit der Senilität ist es wie mit der Liebe: sie kommt und sie ist da. Und leider (oder soll ich sagen: den Göttern sei Dank?) liegt es in ihrem Wesen, dass sie dem, bei dem sie sich eingenistet hat, die Fähigkeit nimmt, ihre Anwesenheit zu bemerken. ...



CHRISTENTUM

Es ist  hier ist nicht der Ort, um biblische Gestalten oder legendäre Heiligenfiguren bloss zu stellen, die durch fortgesetzte Kasteiung ihre Azetylcholinsynthese systematisch drosselten.

Geoffrey Chaucer (1340 – 1400) stellte in den Canterbury Tales trocken fest, bei Alten gebe es nichts ausser Senilität (dotage).

Roger Bacon (1214 – 1292) schöpfte aus den antik-arabischen Quellen des Galenismus: und fand zu ganz erstaunlichen Erkenntnissen
•    Gedächtnis und Vergessen geschähen im hinteren Teil des Gehirns;
•    nach Haly Abbas sei das Alter „Haus des Vergessens“;
•    eine Läsion der mittleren Gehirnanteile beeinträchtige das Denkvermögen;
•    eine Läsion der vorderen Gehirnareale störe das Vorstellungsvermögen, während Gedächtnis und Urteil nicht verändert seien.
Diesem Modell vermag ich recht weit zu folgen (siehe die vorangegangenen „Meditationen“).

Dante Alighieri (1265 – 1321) wurde im siebten Kreis der Hölle von den Sodomiten angefleht, dafür zu sorgen, dass sie auf Erden nicht der klassischen damnatio memoriae anheim fielen.

Sebastian Brant (1458 – 1521) verfasste 1494 mit dem Narrenschyff angeblich das kommerziell erfolgreichste Buch vor Goethes Werther; darin geht er mich zahlreichen menschlichen Schwächen ins Gericht, auch mit dem Alter (Abb. 2)

Von alten Narren:
Mein Narrheit lässt mich nicht sein Greis,
Ich bin fast alt, doch ganz unweis
Ein blosses Kind von 100 Jahren
Vor Jungen zeig ich kindisches Gebaren

Erasmus von Rotterdam (1469 – 1536) fand im Lob der Torheit (1504) wenig tröstliche Worte für die späten Lebensjahre; er schloss sich ganz antiker Tradition an. Im Gegensatz zu Antike und Gegenwart fiel die despektierliche Behandlung des Alterschwachsinns zumal im ironischen Kontext den Autoren christlich geprägter Epochen ungleich leichter. Zwar sind die irdischen Jahre entscheidend für ein Leben nach dem Tode, ihre Bedeutung verblasst jedoch angesichts einer bevorstehenden Ewigkeit. Über die kurze Phase senilen Blödsinns kann also getrost hinweg gegangen werden. Das selbst verantwortliche Individuum hat die Weichen vorher gestellt. Im Stadium der Senilität lässt sich nicht mehr sündigen. Seine Bedeutung gewinnt es allein dadurch dass es Anderen Gelegenheit zu guten Taten bietet.

... Die Blödheit (des Greises) enthebt ihn jener elenden Sorgen, denen der weise Mann ausgeliefert ist. ... Welcher Unterschied besteht auch zwischen ihnen (Kindern und Greisen), als dass die einen mehr Runzeln und ein höheres Leben haben? Sonst passen sie doch zusammen, mit ihrem hellen Haar, ihrem zahnlosen Mund, ihrer körperlichen Kleinheit, dem Verlangen nach Milch, ihrem Lallen, ihrer Schwatzsucht, Läppischen, Vergesslichkeit und Unbedachtsamkeit, kurz, in allem übrigen. Je mehr sie sich dem Greisenalter nähern, desto mehr kommen sie auf die Kindheit zurück, bis sie wie die Kinder aus dem Leben gehen, ohne Überdruss und ohne Lebensfurcht. ...

Michel de Montaigne (1533 – 1592) verfasste 1571 bis 1592 die Essays und vertrat darin vertraute Positionen zu Altersfragen, genauer gesagt, zu den Fragen, die jene wenigen betreffen, welche tatsächlich alt werden.

Nur ein Phantast kann damit rechnen, dass er einmal an dem Kräfteverfall stirbt, den das Greisenalter mit sich bringt, und sich vornehme so lange zu leben. ... das Alter ist eine heimtückische Krankheit, die sich ganz von selbst und unbemerkt einschleicht. Grosse Sorgfalt und grosse Vorsicht sind nötig, wenn man den Gebrechen, die das Alter mit sich bringt, ausweichen oder wenigstens verhindern will, dass sie sich allzu schnell verschlimmern. 

Juan Huarte de Navarra (1529 - 1591) folgte im Examen des Ingenios (1575; übersetzt von Lessing als Prüfung der Köpfe, 1752) nur teilweise der antiken Humoralpathologie: falls viel Feuchtigkeit im Gehirn vorhanden sei, hinterlasse ein Erlebnis tiefe Eindrücke (Gegensatz. zu Aristoteles). Huarte entwickelt einen Antagonismus von gutem Gedächtnis bei hoher Feuchtigkeit des Gehirns und von grossem Verstand bei ausgeprägter Trockenheit des Gehirns.

Dieser Antagonismus wird beispielsweise in Miguel Cervantes (1547 – 1616) Don Quixote (1605 – 1615), dem etwa 50-jährigen, geniehaften Helden (ingenioso hidalgo) von der traurigen Gestalt und seinem dicken, tumben, braven und mit einem zuverlässigen Gedächtnis ausgestatteten Knappe Sancho Pansa dargestellt.

Schliesslich versenkte er sich so tief in seine Bücher, dass ihm die Nächte vom Zwielicht bis zum Zwielicht und die Tage von der Dämmerung bis zur Dämmerung über dem Lesen hingingen; und so, vom wenigen Schlafen und vom vielen Lesen, trocknete ihm das Hirn so aus, dass er zuletzt den Verstand verlor.

Am Ende seiner Abenteuer wird Don Quixote durch erquickenden Schlaf geheilt. Cervantes selbst stirbt an Wassersucht.  

Auch Robert Burton (1577 – 1640) greift in seiner Anatomie der Melancholie (1621; 6. Aufl. 1651) die Humoralpathologie auf; der Begriff der Melancholie war allerdings weit gefasst:

die vorrangige natürliche Ursache (der Melancholie), der niemand aus dem Weg gehen kann, ist das Alter; von kalter und trockener Beschaffenheit hat es dieselbe Qualität wie die Melancholie und muss sie durch Schwächung der Substanz und der Lebensgeister sowie die Zunahme verbrannter Säfte notwendig hervorrufen. Deshalb hält es Melanchthon unter Rückgriff auf Aristoteles für ausgemacht, dass alte Menschen wegen der in ihnen im Übermass vorhandenen schwarzen Galle gewöhnlich unzurechnungsfähig werden.


William Shakespeare (1564 – 1616) scheut sich in seinen Werken nicht, abwertende Randbemerkungen zum Alter fallen zu lassen (Heinrich V., Wie es Euch gefällt; Sommernachtstraum) und berichtet auch von pharmakologisch oder Stress-induzierten kognitiven Störungen (Hamlet, MacBeth). Die zweifelsfrei meist zitierte literarische Figur zur Tragik des Alters ist König Lear (IV / 7):

Pray, do not mock me:
I am a very foolish fond old man,
fourscore and upward, not an hour more or less;
and, to deal plainly,
I fear I am not in my perfect mind.
Me thinks I should know you , and know this man;
Yet I am doubtful; for I am plainly ignorant
What place this is; and all the skill I have
Remembers not these garments; nor I know not
Where I did lodge last night ...


Jonathan Swifts (1667-1745) Gulliver (1726), wie Don Quixote ein satirisch gestalteter Nachfahr des Odysseus, geriet auf seinen Reisen zu den Struldbrugs, die nicht sterben konnten. Nach dem 30. Lebensjahr werden sie allmählich melancholisch und niedergeschlagen.

„... Wenn sie nun das 80. Jahr erreichten ... so zeigten sie nicht allein alle Torheiten und Schwächen anderer alter Leute, sondern noch viel mehr und zwar als  Folge der furchtbaren Aussicht, niemals zu sterben. Sie wären nicht allein eigensinnig, verdriesslich, habgierig, mürrisch, eingebildet und geschwätzig (bis hierhin nahezu identisch zu Cato maior), sondern auch der Freundschaft unfähig ... Sie erinnern sich nur an das, was sie in ihrer Jugend und im mittleren Alter gelernt und beobachtet haben, und selbst daran nur sehr unvollkommen. Und was die Wahrheit oder die Einzelheiten irgendeines Sachverhaltes angeht, so ist es sicherer, sich auf allgemeine Überlieferungen, als auf ihre besten Erinnerungen zu verlassen. Die am wenigsten Unglücklichen unter ihnen scheinen noch diejenigen zu sein, die kindisch werden und ihr Gedächtnis völlig verlieren; diesen wird mehr Mitleid und Hilfe zuteil, da ihnen viele schlechte Eigenschaften fehlen, die bei anderen im Überfluss vorhanden sind.“

Etwa im Jahre 1735 entwickelte Swift selbst erste Zeichen einer Demenz, die sich bis zu seinem Tode kontinuierlich verschlechterte. Anfangs konnte er sich noch darüber beschweren, dass ihm nun nicht allein das Gehör, sondern auch das Gedächtnis verloren ginge; in den letzten Lebensjahren wurde er für unzurechnungsfähig erklärt. Swift hatte sich 1714 als ein „Governor“ von Bethlem für psychisch Kranke engagiert, sein Vermögen für die Errichtung einer ersten Irrenanstalt in Irland vorgesehen und diesen Grabspruch bestimmt:

"He gave the little wealth he had
To built a house for fools and mad;
And showed by one satyric touch.
No nation wanted it so much."




KLASSIKER

Goethe (1749 – 1832) arrangierte im II. Teil des Faust (1832) ein erneutes Zusammentreffen  des inzwischen zum Baccalaureaus avancierten Studenten aus dem I. Teil der Tragödie (1808) mit  einem gealterten Mephistopheles, welcher Jahre vorher als sarkastischer Studienberater fungiert hatte:

Baccalaureus:
... damals schien er zwar gewandt,
als ich ihn noch nicht verstand.
Heute wird es nicht verfangen,
frisch an ihn herangegangen!
Wenn, alter Herr, nicht Lethes trübe Fluten
Das schiefgesenkte, kahle Haupt durchschwommmen,
seht anerkennend hier den Schüler kommen
...
Mephistopheles:
Mich deucht es längst. Ich war ein Tor,
Nun komm ich mir recht schal und albern vor.

Baccalaureus:
Das freut mich sehr! Da hör ich doch Verstand;
Der erste Greis, den ich vernünftig fand! ...
Gewiss! Das Alter ist ein kaltes Fieber
Im Frost von grillenhafter Not.
Hat einer dreissig Jahr vorüber,
so ist er schon so gut wie tot.
Am besten wär’s, euch zeitig totzuschlagen.

Mephistopheles:
Der Teufel hat hier weiter nichts zu sagen.
...

Im Wilhelm Meister (1795 ff.) spielte ein Besorgnis erregend abgebauter Harfenist eine Nebenrolle.


Karl Philipp Moritz (1757 – 1793) schuf mit  GNOTHI SAUTON, Magazin zur Erfahrungsseelenkunde (1783-1793) den Vorläufer aller neurologisch, psychiatrisch, psychologischen Zeitschriften. Im Band 3 aus dem Jahr 1785 findet sich folgender Bericht:

Sonderbare Gemüthsbeschaffenheit eines alten Mannes, der sich einbildete, dass er geschlachtet werden solle. Johann Christoph Becker, 1710 in Halberstadt geboren, mehr als 40 Jahre Pröbstey-Bote in Quedlinburg, immer etwas simpel, häufige Historienbücher gelesen und eine Menge von alten Geschichten und Anekdoten in seinem Kopfe gehabt, seit ohngefähr 12 bis 15 Jahren hat das Gedächtnis angefangen ihn zu verlassen und dieser Fehler hat von Zeit zu Zeit merklich zugenommen. Sein Gedächtnis nahm endlich, seit fünf Jahren dergestalt ab, dass er unten im Hause schon alles wieder vergessen hatte, was im auf der Stube gesagt war ... Doch behielt er dabei noch übrigens immer seinen guten Menschenverstand, sahe auch diesen Fehler selbst ein, und bat immer, dass man nur mit ihm Geduld haben möge. ... und als er nun aus aller Thätigkeit gesetzt wurde, find sein Verstand an, zu scheitern, und alle seine Seelenkräfte merklich abzunehmen. Das Gedächtnis verlässt ihn von Tage zu Tage immer mehr, wobei jedoch das etwas Auffallendes ist, dass er sich solcher Dinge, die vor 30 bis 40 Jahren geschehen, und besonders ihm selbst wiederfahren sind, noch recht gut erinnert ... Seit einem Jahr hat er sich den unglücklichen Gedanken im Kopf gesetzt, dass er geschlachtet und aus seinem Fleische Würste gemacht werden sollten.

Im Magazin finden sich noch mehrere Beschreibungen von Patienten mit Demenzsyndromen. 

Wilhelm Hauff (1802-27) schilderte in seinem Märchen vom Kalif Storch (1826) die Gefährdung des Gedächtnisses – in diesem Fall die Erinnerung an das Zauberwort mutabor – durch starke Emotionen. Nach herzhaftem Gelächter und Vergessen des Zauberwortes vermögen sich Kalif und Wesir nicht mehr aus Störchen in Menschen zurück zu verwandeln. Hauff selbst starb mit 25 Jahren an Nervenfieber.

Nikolaj Gogol (1809 – 1852) schildert in Altväterliche Gutsbesitzer des Schicksal eines alten Mannes, der vor einiger Zeit sein Frau verloren hat:

... Er hörte mit dem nämlichen Lächeln zu, aber mitunter war sein Blick völlig geistesabwesend, und seine Gedanken gärten und brodelten nicht, sondern schwanden allmählich. Oft nahm er einen Löffel voll Brei und führte ihn statt zum Mund an die Nase; mit der Gabel stach er, statt ein Stück Hühnchen aufzuspiessen, nach der Karaffe, und dann nahm ihn das Mädchen bei der Hand und lenkte sie auf das Huhn. ... „Diese Speise da, welche die Se... Se... Selige ...“ und plötzlichbrach er in Tränen aus. Seine Hand fiel auf den Teller, der Teller kippte um, fiel zu Boden und zerbrach, und die Sosse ergoss sich über ihn; er sass gefühllos da, hielt gefühllos den Löffel in der Hand, und dieTtränen flossen, flossen wie ein Bach , wie eine unablässig strömende Fontäne und rannen auf die vorgebundene Serviette. Mein Gott, dachte ich und blickte ihn an, fünf Jahre alles zermalmender Zeit, ein schon gefühlloser Greis ...

Der Held aus Dostojewskis (1821 – 1881) „humoristischem“ Roman Onkelchens Traum (1859) ist ein alter Fürst von geringen Geistesgaben, der mit allem versorgt ist, was die russische Prothetik der Zarenzeit zu bieten hatte, Perücke, Backenbart, Schnurbart, Zähne und vielleicht sogar einem Holzbein. Das Alter hat seiner Intelligenz zusätzlichen Schaden zugefügt, sodass seine Angehörigen ihn schon unter Kuratel stellen wollten. Jetzt aber soll er zu einer Heirat gedrängt werden. Er lässt sich tatsächlich übertölpeln und  gibt ein Eheversprechen ab; der enttäuschte Liebhaber der jungen Braut übt aber Rache und überzeugt den dementen, suggestiblen Fürsten, er habe alles nur geträumt. Dabei handelt es sich möglicherweise um die erste literarische Darstellung einer Demenz mit Lewy-Körperchen, jedenfalls aber um Amnesie, Konzentrationsstörungen, ein Demenz-assoziiertes Fregoli-Syndrom und eine Disinhibition.

... überhaupt - -  ich habe jetzt einige Erlebnisse vergessen. Das kommt von den vielen Beschäftigungen. (welchen?) ...Womit ich mich be-schäftigt habe? Nun überhaupt, wissen Sie, mit Verschiedenem. Wenn man - - sich zum Beispiel ausruht. Zuweilen aber, wissen Sie, bilde ich mir Verschiedenes ein ... Denk Dir, mein Lieber! Und ich hielt dich die ganze Zeit für den Vi-zegouverneur, und ich denke noch: Wie kommt es nur, dass er jetzt ein ganz an-deres Ge-sicht hat? ... Mich quälen ent-setz-liche Hämorrhoiden, na-ment-lich seit einiger Zeit - - und wenn ich diese Anfälle habe, so gibt es bei der Gelegenheit er-staun-liche Symptome – ich werde sie Ihnen ausführlich beschreiben ... es ist immerhin eine sehr interes-sante Krankheit. ...

Nach dem Eklat um die Auflösung der Verlobung fällt der Fürst in einen Verwirrtheitszustand:

Am Abend fand ein Konzilium aller Ärzte statt. Aber ... der Fürst verlor das Bewusstsein, phantasierte, bat Kalist Stanislawitsch, eine gewisse Romanze zu singen, und sprach von verschiedenen Perücken. Mitunter schien er plötzlich zu erschrecken, worauf er jedes Mal des längeren schrie.

Erwogen wurde eine Magenentzündung, die in den Kopf gestiegen sei und der Stellenwert der moralischen Erschütterung wurde nicht in Abrede gestellt.

Das Resultat der Beratung war jedenfalls, dass der Fürst schon seit längerer Zeit zum Sterben „disponiert“ gewesen sei und deshalb auch unfehlbar sterben werde. Im letzten jedenfalls hatten sie sich nicht geirrt.

Emile Zola (1840 - 1902) verfolgte in Therese Raquin (1867) das grausame Schicksal einer alten Frau, die von mehreren Schlaganfällen paralysiert, aber bei weitgehend wachem Verstand hilflos das Verderben ihrer Familie beobachten muss.


KRANKE LITERATEN

Immanuel Kant (1724 – 1804) war angeblich ein Leben lang zerstreut und ab 1802 zunehmend dement. Seinen gewohnten Diener Lampe entliess er in seinen letzten Lebensjahren. An den neuen Bediensteten mit Militärstimme wollte er sich nicht mehr gewöhnen (Literarisch verarbeitet in Huizing, 1998). Auf einem von Kants Merkzetteln stand zu lesen: Lampe muss vergessen werden! – Ein Beispiel irregeleiteter Lethotechnik. Bei Dr. Kien handelt es sich möglicherweise um einen Nachfahr Kants. Er trägt alles, was vergessen werden soll in ein Notizbuch ein. Sein wahres Gedächtnis, die Bücher seiner Bibliothek werden verbrannt (Canetti, 1936). Und damit wären wir auch gleich bei der Bibliothek von Babel (Borges, 1941) angelangt und beim Bibliotheksbrand im Namen der Rose (Eco, 1980), also bei den Gefährdungen jener Existenzen, die ihre Bedeutung vorrangig auf enzyklopädisches Wissen und nicht auf gute Taten gründen.

Friedrich Nietzsche (1844 – 1892) dichtete in Jenseits von Gut und Böse (1886):

Das habe ich getan, sagt mein Gedächtnis
Das kann ich nicht getan haben, sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich
Endlich – gibt das Gedächtnis nach.

1889 erkrankte er an Neurosyphilis, wurde zunächst in Basel im Krankenhaus und danach von seiner Familie gepflegt. In Also sprach Zarathustra (1883 – 1891) schrieb er düster:

Die Wüste wächst
- weh dem, der Wüsten birgt!


Gerard de Nerval (1808 – 1855) wurde wiederholt in Nervenkrankenhäusern behandelt und erhängte sich an einer Strassenlaterne in Paris. Charles Baudelaire (1821 – 1867) selbst experimentierte mit Haschisch und Absinth; 1866 entwickelte er eine Aphasie, im Jahr danach starb er an einem (weiteren?) Hirninfarkt. Paul Verlaine (1844 – 1896) war alkoholkrank und musste mehrfach stationär versorgt werden. Starobinski (1991) fasst in seiner Kleinen Geschichte des Körpergefühls (1991) einige Äusserungen französischer Literaten (Flaubert, Baudelaire, Valery) zum Alter zusammen – die meisten vertraten kein positives Altersbild. Ob der Zusammenbruch der genannten französischen Literaten in erster Linie auf ennui, Absinth, andere Drogen oder genuine Hirnerkrankungen zurückzuführen ist, muss offen bleiben. Guy de Maupassant (1850 – 1893) litt an Neurosyphilis, war seit 1891 verwirrt und überlebte einen Suizidversuch. Seinem Spätwerk wird morbide Lust an der Gestaltung von Angst und Grauen attestiert, so zum Beispiel in Der Horla. Maupassant beschreibt Pseudohalluzinationen, Halluzinationen, Heautoskopie, Anwesenheit und elementare Angst sowie wahnsinnigen Versuche, diese Wahrnehmungen kognitive zu integrieren.

Der rumänische Nationaldichter Michail Eminescu (1850 – 1889) entwickelte ebenfalls eine Neurosyphilis und musste seit 1883 mehrfach in Nervenheilanstalten behandelt werden. Er stellte in seinen Werken oftmals die Frage nach dem Sein. E.M. Cioran (1911 - 1994) stand ganz in dieser rumänisch-französischen Tradition existentieller Zweifel und haderte in seinen Werken immer wieder grundsätzlich mit dem Leben an und für sich (vom Nachteil, geboren zu sein; Syllogismen der Bitterkeit; etc.). In den der verfehlten Schöpfung (1969) schrieb er:

Die einzige Funktion des Gedächtnisses: es hilft uns zu bedauern!

Nach angeblich jahrzehntelanger Schlaflosigkeit zeigte er in den letzten Lebensjahren Zeichen einer Demenz.

Walt Whitman (1819 – 1892), der erste bedeutende Poet der neuen Welt, veröffentlichte 1855 die Grashalme. 1873 erlitt er zwei Schlaganfälle und war danach – wie etwa Mark Twain behauptete – intellektuell beeinträchtigt. Verbürgt ist sein Diogenes Syndrom.

Es gibt etwas in mir – ich weiss nicht, was es ist – aber ich weiss, es ist in mir;
Versenkt und schweissig – still und kühl wird dann mein Leib.
Ich schlafe. - Ich schlafe lange

Auch Ronald Reagan (1911 – 2004) firmierte als Autor von zwei Büchern und zeigte mehr als zehn Jahre die Merkmale einer Demenz. Als Politiker teilte er dieses Schicksal mit Woodrow Wilson und Franklin D. Roosevelt, mit Winston Churchill, Heinrich Lübke und Herbert Wehner.

Lenin (1870 – 1924) hatte ebenfalls eine Reihe von Werken mit hohen Auflagen verfasst und am Lebensende erheblich an geistiger Leistungsfähigkeit eingebüsst. 1923 versammelte sich die Elite der europäischen Nervenheilkunde in Moskau, Wladimir Bechterew, Otfried Foerster, Max Nonne, Adolf Strümpell, Oskar Vogt und andere (literarisch gestaltet von Spengler, 1991).

Faust,  Nietzsche und  Reger galten als Vorlagen des Adrian Leverkühn, jenes fiktiven deutschen Tonsetzers, eines „stolzen und von Sterilität bedrohten Geistes“, der sich wissentlich mit Syphilis infizierte. Er wurde von Thomas Mann (1875 – 1955) mystifizierend im Exil erdacht - bzw. von einem Erzähler Serenus Zeitblom mitgeteilt, 1944  in New York veröffentlicht und vom Bildungsbürgertum verschlungen.

Mervyn Peake (1911-1968), britischer Maler und Literat, Autor der Gormenghast Romane, entwickelte mit 45 Jahren erste Zeichen einer neurodegenerativen Erkrankungen mit kognitiven Störungen, rezidivierender Verwirrtheit und Parkinson-Symptomatik. Durch die Fluktuationen im Verlauf vermochte er in den Intervallen seine szenischen visuellen Halluzinationen bildnerisch und poetisch zu gestalten, selbs als er bereits im Pfegeheim versorgt werden musste (zitiert nach Sahlas, 2003):

Heads float about me; come and go, absorb me;
Terrify me that they deny the nighmare
That they should be me, defy me;
And all the secrecy; the horror
Of truth, of this intrinsic truth
Drifting, ah God, along the corridors
Of the world; hearing the metal
Clang; and the rolling wheels.
Heads float about me haunted
by solitary sorrows


MODERNE

Melancholie, Degeneration und Decadence schwappten aus dem Fin-de-Siecle noch ins 20. Jahrhundert herüber. Oscar Wilde (1856 – 1900) hatte mit dem Bildnis des Dorian Grey (1891) ein Schreckensbild sündhaften, kranken Alterns hinterlassen. Marcel Proust (1871 – 1922), der ausdauerndste Gedächtniskünstler, begab sich in seinem Zimmer zwischen 1913 und 1927 auf die Suche nach der verlorenen Zeit und fand dabei auch Interessantes über den Zusammenhang von Geruch und Gedächtnis (Madeleine Phänomen, besser osmisches cuing).

Senilita (1898) war Italo Svevos (1861 – 1928) Triester Variante der Melancholie und sie gefiel seinem Englischlehrer James Joyce sehr gut. Mit dem Alter hat der Roman aber nichts zu tun, wohl aber mit dem Ungemach des Älterwerdens (heute mid-life crisis). Philip Roth darf diesbezüglich als legitimer Erbe Svevos angesehen werden. Die Hauptperson von Svevos Novelle vom guten alten Herrn und vom schönen Mädchen (1929) arbeitet aber zum Zwecke der Sublimation an einem Werk über das Altern:

...  Zweck des Buches war es also, zu beweisen, dass zum Wohle der Welt ein gesundes Alter notwendig sei. ... Ein Kapitel sollte die Behauptung entkräften, dass das Alter eine Krankheit sei. ... Ein anderes Mal gedachte er darzulegen, wie man schon von der ersten Volksschulklasse an darauf hinweisen müsse, dass es der Zweck des Lebens sein, ein gesunder alter Mensch zu werden. ...

Samuel Beckett (1906 -  1989) gestaltet in einer Reihe seiner Werke den Überdruss am Leben und die Angst vor dem Sterben, absurd eben, aber doch mit wiederkehrenden Hinweisen auf die kognitiven Defizite der Demenzen, so etwa im Endspiel (1958). Der Witz auf Kosten der Dementen war im absurden Theater aufgrund der tragischen Gesamtsituation erlaubt. Beckett zeichnet das Horroszenario schlecht betreuten Wohnens, bei dem die Alten in Mülltonnen sitzen,  und eines entsetzlichen Generationenkonflikts:

Nagg: Meinen Brei!
Hamm: Verfluchter Erzeuger!
Nagg: Meinen Brei!
Hamm: Ah! Keine Haltung mehr, die Alten. Fressen, fressen, sie denken nur ans Fressen ...
Clov: alter hat keine Tugend ...
Hamm: Die Natur hat uns vergessen.
Clov: Es gibt keine Natur mehr. ...
Hamm: Wir atmen doch, wir verändern uns! Wir verlieren unsere Haare, unsere Zähne! Unsere Frische! Unsere Ideale!
Clov: Dann hat sie uns nicht vergessen.
Hamm: Du sagst doch, dass es keine mehr gibt.
Clov: Niemand auf der Welt hat je so verdreht gedacht wie wir. ...
Hamm: Muss ich jetzt nicht mein Beruhigungsmittel einnehmen ...

Ganz unbeschwert hatte dagegen Lewis Carroll (1832 – 1898) einen höchst vergesslichen Mitreisenden bei der Jagd nach dem Snark (1876) erdichtet, dessen ganze Versuche, der eigenen Verstandesschwäche durch umso grössere Reserven vorzubeugen, bereits zu Beginn der Reise scheitern:

He had 42 boxes, all carefully packed,
with his name painted clearly on each:
but since he omitted to mention the fact,
they were alle left behind on the beach.

Christian Morgenstern (1871 – 1914) durfte ihm noch ungestraft im Gingganz (1919) folgen:

Der Vergess.
Er war voll Bildungshung, indes,
soviel er las
und Wissen aß,
er blieb zugleich ein Unverbeß,
ein Unver, sag ich, als Vergeß;
ein Sieb aus Glas,
ein Netz aus Gras,
ein Vielfreß –
doch kein Haltefraß

Die meistgelesene Satire über die Demenz in deutscher Sprache verfasste Heinrich Böll (1917 - 1985) mit Nicht nur zur Weihnachtszeit (1952). Danach gerieten Humoresken über die Vergesslichkeit endgültig aus der Mode. Als nach dem II. Weltkrieg und der anschliessenden Not endlich wieder ein glückliches und friedvolles Weihnachten gefeiert worden war, kommt es zum Eklat bei dem Versuch, am Lichtmesstag den Christbaum wieder abzuschmücken. Die Tante beginnt zu schreien und hört nicht wieder auf. Ein  versuchter Exorzismus bleibt ohne Erfolg. Eilig herbei gerufene Neurologen und Psychiater sind ratlos, da die Menge Luminal, die man einer Sechzigjährigen verabreichen könne, ohne ihr Leben zu gefährden, nur gering sei. Aber der Versuch einer Validierung führt zur prompten Beruhigung:

... Inzwischen wurde alles versucht, meine Tante aus ihrem Zustand zu erlösen. Sie verweigerte die Nahrung, sprach nicht, schlief nicht; man wandte kaltes Wasser an, heisse Fussbäder, Wechselbäder, die Ärzte schlugen in Lexika nach, suchten nach dem Namen dieses Komplexes, fanden ihn nicht. Und meine Tante schrie. Sie schrie so lange, bis mein Onkel Franz – dieser wirklich herzensgute Mensch – auf die Idee kam, einen neuen Tannenbaum aufzustellen ...

Eine Reihe sensibler literarischer Innendarstellungen von Patienten mit schweren kognitiven Defiziten und speziell von Demenzen wurde danach vorgelegt. Georges Simenon (1903 - 1989) beschrieb in den Glocken von Bicetre (1963) das Erleben eines Patienten mit vaskulärer Hirnerkrankung, Robert Pinget (1919 - 1997) in Monsieur Traum (1982), die langsame Zerstreuung der Hauptperson im Stil des Nouveau Roman, und Dino Buzzati (1906 - 1972) die Beschleunigung, beziehungsweise eher die verlangsamte Wahrnehmung eines dementen Priesters:

... Monsignore Pleora vermochte nicht mehr eine Stunde von der anderen zu unterscheiden - so schnell tanzten sie vorbei, eng aneinandergereiht, bis sie eine einzige kompakte, gleichförmige Masse bildeten.  Das einzige, hatte ihm der Arzt gesagt, war, zu Gott zu beten. Das war doch wenigstens eine Hoffnung ...

Hinzu kam die literarische Verarbeitung historischer Fälle faszinierender Gedächtnis-täuschungen oder –fälschungen von  Leonardo Sciascia (1921 - 1989) Aufzug der Erinnerung (1984) und Natalie Zemon Davis die wahrhaftige Geschichte des Martin Guerre (1982).

Oliver Sacks (1970) entwickelte neuropsychiatrische Kasuistik zur literarischen Disziplin entwickelt und stiess dabei auf breites Interesse. Stilistisch hochrangiger Erfahrungsberichte mit dementen Patienten aus der eigenen Familie wurden veröffentlicht, so etwa Margaret Forsters Ich glaube, ich fahre in die Highlands (1989) und John Baileys (1999) Elegy für Iris (Murdoch).

Die anspruchsvolle literarische Gestaltung des Demenzthemas erlebte in den letzten Jahren Konjunktur. In Michael Ignatieffs Scar Tissue (1993) verfolgen die beiden Söhne einer Künstlerin, ein Philosoph (der Erzähler) und ein Neuropathologe, aus ihren Blickwinkeln den Weg ihrer Mutter in die Demenz. Nicholas Sparks erzielte mit der raffinierten, aber etwas rührseligen Geschichte einen grossen Publikumserfolg, in der ein alter Mann jeden Tag aufs neue versteht, die Liebe seiner dementen Ehefrau zu gewinnen, die ihn am nächsten Morgen prompt wieder vergessen hat (The Notebook, 1996). Amy Tan erzählte einfühlsam von der Demenz ihrer Mutter (The Bonesetter’s Daughter, 2001). Jonathan Franzen lieferte den überragenden Roman einer Familie, in der die Demenz eine so wichtige Rolle spielt, wie sie ihr in unserer Zeit und den nächsten Jahren zukommen wird. Ernsthaftigkeit und Witz dieser Darstellung werden kaum zu überbieten sein (The Corrections,, 2001). Selbst in die Kriminalliteratur ist die Demenz eingebrochen (Suter, 1997) und in Kinderbüchern entfaltet sich ihr Schrecken, da sich bereits Harry Potter vor den Dementoren in Acht nehmen muss (Rowling, 1999).

(Hans Förstl. Aus: Demenzen - Perspektiven in Praxis und Forschung, 2005:)

Abb. 1: Attische Vase (ca. 450 v. Chr.) Geras, die Personifikation und Dämon des Alters, Bruder des Todes (Thanatos), Sohn der Finsternis (Erebus) und der Nacht (Nyx).


Abb. 2: Sebastian Brants (1594) Narrenschyff: der alte Narr, mit einem Fuss im Grab stehend, aber immer noch nicht weise, sondern angetan mit einem Narrenkostüm. Der Holzschnitt stammt möglicherweise von Albrecht Dürer.


Referenzen:

Bacon R (1966) De retardatione accidentium senectutis. Gregg, Hants. Zitiert nach: Torack RM (1983) Collier MacMillan, London

Bailey J (1999) Elegy for Iris. St. Martin’s Press. New York.

Beckett S (1958 / 1974) Endspiel. Suhrkamp, Frankfurt / M.

Böll H (1966) Nicht nur zur Weihnachtszeit. In: Satiren. DTV, München

Borges JL (1941 / 1982) Die Bibliothek von Babel. In: Gesammelte Werke, Erzählungen Bd. III/1. Carl Hanser, München

Brant S (1494 / 1994) Das Narrenschyff. Valentin Körner, Baden-Baden

Burton R (6. Aufl. 1651 / 1988) Anatomie der Melancholie. Artemis, Zürich und München

Buzzati D (1975) Die Beschleunigung. In: Aufgeben oder verdoppeln.  DTV, München

Canetti E (1936 / 1965) Die Blendung. S. Fischer, Frankfurt.

Carroll L (1887 / 1996) The Hunting of the Snark. Reclam, Stuttgart

Chaucer G (1386 ff.  /  1951) The Canterbury Tales. Penguin, Harmondsworth

Cicero MT (1988) Cato der Ältere, über das Alter. Tusculum. Artemis, München und Zürich

Cioran EM (1969 / 1979) Die verfehlte Schöpfung. Suhrkamp, Frankfurt / M.

Dante Alighieri (1307 – 1321) Divina comedia. Die göttliche Komödie.

Davis NZ (1982 / 1984) Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre. Piper, München

Dostojewski FM (1859 / 1968) Onkelchens Traum. In: Drei humoristische Romane. Piper, München

Eco U (1980) Der Name der Rose. Bompiani, Mailand

Erasmus von Rotterdam (1508 / 2002) Encomium moriae / laus stultitiae / Lob der Torheit. Reclam, Stuttgart

Forster M (1989 / 1992) Ich glaube, ich fahre in die Highlands. Fischer, Frankfurt / M.

Franzen J (2001 / 2002) The corrections. Picador, New York

Goethe JW (1808 & 1832 / 1970) Faust I & II. Insel Verlag, Frankfurt / M.

Goethe JW (1795 ff. / 1970) Wilhelm Meisters Lehrjahre. Insel Verlag, Frankfurt / M.

Gogol N (1961) Altväterliche Gutsbesitzer. In: Sämtliche Erzählungen. Winkler, München

Hauff W (1826 / 1970) Kalif Storch. In: Sämtliche Märchen. Winkler, München

Homer (1958) Odyssee. Deutsch von Wolfgang Schadewaldt. Rowohlt, Hamburg

Huizing K (1998) Das Ding an sich. Knaus, München

Ignatieff M (1993) Scar Tissue. Viking, Toronto

Karenberg A, Förstl H (2003) Geschichte der Demenzen und der Antidementiva. In: Antidementiva. Urban & Fischer, München. 5 – 52

Kaschnitz ML (1983) Die Füsse im Feuer. Werke Bd. 4. Insel Verlag, Frankfurt / M.

Maupassant G (1991) Der Horla. Reclam, Stuttgart

Montaigne M de (1984) Die Essais. Reclam, Stuttgart

Morgenstern C (1919 / 1965) Der Vergeß. In: Der Gingganz, Gesammelte Werke. Piper, München

Moritz KP (Hrsg.) (1783 – 1793 / 19..) GNOTHI SAUTON oder Magazin zur Erfahrungsseelenkunde. Bd. I bis X. Greno, Nördlingen

Nietzsche F (1886 ) Jenseits von Gut und Böse.

Nietzsche F (1883 - 1891) Also sprach Zarathustra.

Pinget R (1986) Monsieur Traum. Wagenbach, Berlin

Platon (1959) Nomoi (Die Gesetze). Rowohlt, Hamburg

Polgar A (1954) Gespräch über das Alter. In: Im Lauf der Zeit. Rowohlt, Hamburg

Proust M (1953) Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Suhrkamp, Frankfurt / M.

Roth P (2001) The Dying Animal. Random House, London

Rowling JK (1999) Harry Potter und der Gefangene von Askaban. Carlsen, Hamburg

Sacks O (1970) The man who mistook his wife for a hat and other clinical tales. Simon & Schuster, New York

Sahlas DJ (2003) Dementia with Lewy bodies and the neurobehavioural decline of Mervyn Peake. Arch Neurol 60: 889-892

Shakespeare W (1958) King Lear. Collins, London und Glasgow

Simenon G (1964 / 1974) Die Glocken von Bicetre. Diogenes, Zürich

Sparks N (1997) The Notebook. Bantam, London

Spengler T (1991) Lenins Hirn. Rowohlt, Hamburg

Starobinski J (1991) Kleine Geschichte des Körpergefühls. Fischer Wissenschaft, Frankfurt

Suter M (1997) Small World. Diogenes, Zürich

Sciascia L (1984) Aufzug der Erinnerung. Benziger, Zürich

Svevo I (1898 / 1994) Ein Mann wird älter (Senilita). Rowohlt, Hamburg

Svevo I (1929 / 1967) Die Novelle vom guten alten Herrn und vom schönen Mädchen. Rowohlt, Hamburg

Swift J (1726  / 1974) Gullivers Reisen. Übersetzung von Franz Kottenkamp. Insel Verlag, Frankfurt / M.

Tan A (2001) The bonesetter’s daughter. Flamingo, London

Weinrich H (1997). Lethe – Kunst und Kritik des Vergessens. CH Beck, München

Whitman W (1855 / 1968) Grashalme. Reclam, Stuttgart

Wilde O (189. / 1972) The picture of Dorian Grey. Simon & Schuster, New York

Zola E (1867 / 1982) Therese Raquin. DTV, München